An der VHS, im Rathaus, in vielen Supermärkten hängt ein grüner Kasten mit einem Herz und einem Blitz darauf. Fast jeder ist schon daran vorbeigelaufen. Und fast jeder denkt: Da gehe ich nicht ran, das ist was für Profis. Genau das Gegenteil stimmt. Ein AED ist ausdrücklich für Menschen ohne jede Ausbildung gebaut.

Das Gerät entscheidet, nicht du

Ein automatisierter externer Defibrillator – kurz AED – analysiert den Herzrhythmus selbst. Er gibt einen Schock nur dann frei, wenn er einen Rhythmus erkennt, den ein Schock beenden kann. Bei allem anderen bleibt das Gerät stumm, egal wie oft man drückt. Man kann also niemanden „aus Versehen" defibrillieren. Diesen Satz sage ich im Kurs jedes Mal, weil er die größte Hürde wegnimmt.

Was Teilnehmer regelmäßig überrascht

Der AED spricht mit dir. Sobald er eingeschaltet ist, sagt er in ganzen Sätzen an, was als Nächstes zu tun ist – inklusive Pausen zum Nachmachen. Du musst dir vorher nichts merken.

Die Reihenfolge, wenn jemand leblos vor dir liegt

1
Ansprechen und rütteln. Keine Reaktion, keine normale Atmung? Dann ist es ein Kreislaufstillstand.
2
112 anrufen und laut um Hilfe rufen. Die Leitstelle sagt dir auch, wo der nächste AED hängt.
3
Sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Warte nicht auf das Gerät – die Kompressionen sind das Wichtigste.
4
AED einschalten, sobald er da ist, und ab da nur noch tun, was er sagt.

Elektroden kleben – der Teil, vor dem alle zögern

Auf den Klebepads ist aufgedruckt, wohin sie gehören: eine unter das rechte Schlüsselbein, die andere seitlich unter die linke Achsel. Der Oberkörper muss dafür frei sein. Bei starker Behaarung an der Stelle die Pads fest andrücken; nasse Haut vorher kurz abwischen. Während das Gerät den Rhythmus analysiert, darf niemand die Person berühren – auch das sagt es an.

Nicht unterbrechen

Zwischen Analyse und Schock und danach wird weiter gedrückt. Jede Pause kostet Druck im Kreislauf. Der AED fordert dich von selbst auf, sofort weiterzumachen.

Und wenn die Rippen knacken?

Das ist die Frage, die in meinen Kursen wirklich in jedem Durchgang kommt – meist noch bevor jemand die Puppe angefasst hat. Ja, es kann knacken, und ja, das passiert häufig. Was da nachgibt, ist in aller Regel der Knorpel, mit dem die Rippen am Brustbein sitzen. Das klingt dramatisch und fühlt sich für den Helfer schrecklich an, ist aber kein Grund aufzuhören. Ein Mensch mit angeknackstem Rippenknorpel lebt. Einer, bei dem aus Angst niemand gedrückt hat, nicht.

Wie fest und wie schnell

Die Leitlinien nennen mindestens 5, höchstens 6 Zentimeter Drucktiefe und 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Diese Zahlen helfen im Ernstfall nur bedingt – niemand zählt unter Stress Zentimeter. Was im Kurs funktioniert: dreimal bis zehn zählen und zwischen die Zahlen ein „und" setzen. Also eins und zwei und drei und…. Wer so zählt, landet erfahrungsgemäß ziemlich genau im richtigen Bereich und hat außerdem etwas, woran er sich festhalten kann.

Warum die Angst davor größer ist als die Sache selbst

Angst entsteht meistens dort, wo Wissen fehlt und wo man sich der Sache entzieht. Ich vergleiche das gern mit einer Spinnenphobie: Wer sich zehn Dokumentationen über das Leben von Spinnen ansieht, hat danach oft deutlich weniger Angst – nicht weil die Spinnen sich verändert hätten, sondern weil er jetzt weiß, wie sie ticken. Mit dem grünen Kasten an der Wand ist es genauso. Einmal in der Hand gehabt, einmal die Ansagen gehört, und er verliert seinen Schrecken.

Falsch ist eigentlich nur, gar nichts zu tun

Wer hilft, macht im Kern nichts falsch – auch dann nicht, wenn Handgriffe unsauber sind. Zwei Dinge gelten trotzdem: bei Vergiftungen niemals Erbrechen auslösen, und Verunglückte nur bewegen, wenn ihnen an Ort und Stelle akute Gefahr droht.

Üben statt nachlesen

Einen AED liest man sich nicht an – man nimmt ihn einmal in die Hand. In unseren Kursen an der VHS Hildesheim ist genau das ein fester Teil: Gerät einschalten, Pads kleben, den Ansagen folgen, während jemand danebensteht und Fragen beantwortet. Danach ist der Kasten an der Wand kein Fremdkörper mehr.