Ein plötzlicher Sturz, unkontrollierte Zuckungen, Bewusstlosigkeit – wer zum ersten Mal einen epileptischen Anfall miterlebt, ist oft geschockt und weiß nicht, wie er reagieren soll. Dabei ist es gar nicht so schwer, in dieser Situation richtig zu helfen. Entscheidend ist vor allem, Ruhe zu bewahren und einige wichtige Grundregeln zu kennen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie bei einem epileptischen Anfall korrekt handeln und welche gut gemeinten Maßnahmen Sie unbedingt vermeiden sollten.

Was passiert bei einem epileptischen Anfall?

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. In Deutschland leben etwa 500.000 bis 800.000 Menschen mit dieser Diagnose – statistisch gesehen kennt also fast jeder von uns jemanden, der betroffen ist. Auch in Hildesheim und Umgebung begegnen Ersthelfer regelmäßig Situationen, in denen Menschen einen Anfall erleiden.

Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu einer vorübergehenden Funktionsstörung im Gehirn. Nervenzellen entladen sich plötzlich und unkontrolliert, was zu verschiedenen Symptomen führen kann. Die bekannteste Form ist der sogenannte tonisch-klonische Anfall (früher „Grand mal" genannt), bei dem Betroffene das Bewusstsein verlieren, stürzen und am ganzen Körper krampfen.

Verschiedene Anfallsformen erkennen

Nicht jeder epileptische Anfall sieht gleich aus. Manche Anfälle äußern sich nur durch kurze Abwesenheitszustände, bei denen die Person für wenige Sekunden „wie weggetreten" wirkt. Andere zeigen sich durch wiederholte, stereotype Bewegungen wie Schmatzen oder Nesteln an der Kleidung. Für Ersthelfer ist es wichtig zu wissen, dass all diese Formen Hilfe erfordern können – auch wenn sie weniger dramatisch aussehen als ein großer Krampfanfall.

So helfen Sie bei einem epileptischen Anfall richtig

Wenn Sie Zeuge eines epileptischen Anfalls werden, ist das Wichtigste: Bleiben Sie ruhig. Die meisten Anfälle enden von selbst innerhalb von ein bis drei Minuten. Ihre Hauptaufgabe als Ersthelfer besteht darin, die betroffene Person vor Verletzungen zu schützen und ihr nach dem Anfall beizustehen.

Schritt 1: Umgebung sichern

Entfernen Sie sofort alle Gegenstände aus der unmittelbaren Nähe, an denen sich die krampfende Person verletzen könnte. Schieben Sie Stühle beiseite, räumen Sie spitze oder harte Objekte weg. Befindet sich die Person in einer gefährlichen Situation – etwa auf einer Treppe oder einer Straße – versuchen Sie vorsichtig, sie in Sicherheit zu bringen, ohne die Krampfbewegungen zu unterdrücken.

Schritt 2: Kopf schützen

Legen Sie etwas Weiches unter den Kopf der betroffenen Person – eine Jacke, einen Pullover oder ein zusammengefaltetes Kleidungsstück. So verhindern Sie Kopfverletzungen durch das Aufschlagen auf dem Boden.

Schritt 3: Zeit im Blick behalten

Schauen Sie auf die Uhr und merken Sie sich, wann der Anfall begonnen hat. Diese Information ist später für den Rettungsdienst oder den behandelnden Arzt wichtig.

Schritt 4: Nach dem Anfall handeln

Sobald die Krämpfe nachlassen, bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage. Viele Menschen sind nach einem epileptischen Anfall verwirrt, erschöpft oder schläfrig. Bleiben Sie bei der Person, sprechen Sie beruhigend mit ihr und erklären Sie, was passiert ist.

Was Sie bei einem epileptischen Anfall niemals tun sollten

Mindestens genauso wichtig wie das richtige Handeln ist das Wissen darüber, was Sie unbedingt vermeiden müssen. Viele veraltete „Ratschläge" kursieren noch immer und können im Ernstfall mehr schaden als nutzen.

Keinesfalls die Person festhalten: Der Versuch, die Krampfbewegungen zu unterdrücken, kann zu schweren Verletzungen führen – sowohl bei der betroffenen Person als auch bei Ihnen selbst. Lassen Sie den Anfall ablaufen und beschränken Sie sich auf den Schutz vor äußeren Gefahren.

Nichts in den Mund schieben: Der alte Mythos, man müsse einen Beißkeil oder Löffel zwischen die Zähne stecken, ist gefährlich und falsch. Die Gefahr, die eigene Zunge „zu verschlucken", besteht nicht. Stattdessen riskieren Sie Zahnschäden, Kieferverletzungen oder dass Fremdkörper in die Atemwege gelangen.

Keine Flüssigkeiten geben: Weder während des Anfalls noch unmittelbar danach sollten Sie der Person etwas zu trinken geben. Die Schluckreflexe sind oft noch beeinträchtigt, was zu Verschlucken und Atemproblemen führen kann.

Nicht alleine lassen: Auch wenn der Anfall vorüber zu sein scheint, bleiben Sie bei der Person, bis sie vollständig orientiert ist oder professionelle Hilfe eintrifft.

Wann müssen Sie den Notruf wählen?

Nicht jeder epileptische Anfall erfordert einen Rettungswagen. Bei Menschen mit bekannter Epilepsie verlaufen Anfälle oft nach einem gewohnten Muster, und Angehörige wissen, wie sie damit umgehen.

Rufen Sie jedoch unbedingt den Notruf 112, wenn:

In Hildesheim und Umgebung erreichen Sie über die 112 schnell qualifizierte Hilfe. Schildern Sie der Leitstelle möglichst genau, was Sie beobachtet haben und wie lange der Anfall bereits andauert.

Häufige Fragen zum Thema epileptischer Anfall

Kann man während eines Anfalls ersticken? Die Gefahr des Erstickens an der eigenen Zunge ist ein Mythos. Allerdings kann sich nach dem Anfall Speichel oder Erbrochenes in den Atemwegen sammeln – deshalb ist die stabile Seitenlage so wichtig.

Soll ich die Person nach dem Anfall ansprechen? Ja, aber geben Sie ihr Zeit. Viele Betroffene sind zunächst desorientiert. Sprechen Sie ruhig und freundlich, erklären Sie, wo sie sind und was passiert ist.

Wie erkenne ich den Unterschied zwischen einem Anfall und einer Ohnmacht? Bei einer einfachen Ohnmacht fehlen typischerweise die rhythmischen Krampfbewegungen. Im Zweifelsfall handeln Sie so, als wäre es ein epileptischer Anfall – Sie können damit nichts falsch machen.

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