Jede Sekunde zählt: Warum richtiges Handeln bei Autobahnunfällen Leben rettet

Ein Unfall auf der Autobahn gehört zu den gefährlichsten Situationen im Straßenverkehr. Hohe Geschwindigkeiten, unübersichtliche Verhältnisse und der Schock des Erlebten überfordern viele Ersthelfer. Dabei kann gerade in diesen kritischen Momenten richtiges Handeln über Leben und Tod entscheiden – sowohl für die Unfallopfer als auch für Sie selbst als Helfer.

In Deutschland ereignen sich jährlich tausende Unfälle auf Autobahnen, viele davon auch auf den stark befahrenen Strecken rund um Hildesheim. Die A7 und die nahegelegenen Bundesstraßen sind täglich von Pendlern und Durchreisenden frequentiert. Wer hier in eine Unfallsituation gerät, muss schnell und besonnen handeln können.

Die erste Reaktion: Eigensicherung geht vor Hilfeleistung

Bevor Sie anderen helfen können, müssen Sie zunächst Ihre eigene Sicherheit gewährleisten. Dieser Grundsatz gilt nirgendwo so sehr wie auf der Autobahn, wo nachfolgende Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit herannasen können.

Fahrzeug sicher abstellen

Sobald Sie einen Unfall auf der Autobahn bemerken, aktivieren Sie sofort Ihre Warnblinkanlage. Verringern Sie kontrolliert Ihre Geschwindigkeit und stellen Sie Ihr Fahrzeug in ausreichendem Abstand – mindestens 100 Meter – vor der Unfallstelle auf dem Standstreifen ab. Schalten Sie den Motor aus und legen Sie die Warnweste an, bevor Sie das Fahrzeug verlassen. Diese Pflicht besteht in Deutschland für alle Insassen, die das Fahrzeug verlassen.

Verlassen Sie Ihr Auto grundsätzlich auf der dem Verkehr abgewandten Seite. Bleiben Sie so nah wie möglich an der Leitplanke und gehen Sie niemals über die Fahrbahn, wenn dies vermeidbar ist.

Unfallstelle richtig absichern: Schritt für Schritt zum sicheren Einsatzort

Die Absicherung der Unfallstelle ist der wichtigste Schritt, um Folgeunfälle zu verhindern. Studien zeigen, dass ungesicherte Unfallstellen auf Autobahnen ein erhebliches Risiko für weitere Kollisionen darstellen.

Warndreieck korrekt aufstellen

Das Warndreieck muss auf der Autobahn in einer Entfernung von mindestens 150 bis 200 Metern aufgestellt werden. Tragen Sie es sichtbar vor Ihrem Körper, während Sie am äußersten Fahrbahnrand entlanggehen. Achten Sie dabei stets auf den herannahenden Verkehr.

Positionieren Sie das Dreieck so, dass es für nachfolgende Fahrer gut erkennbar ist – idealerweise nicht direkt hinter einer Kurve oder Kuppe. Bei schlechten Sichtverhältnissen wie Nebel, Regen oder Dunkelheit ist ein größerer Abstand ratsam.

Notruf absetzen: Die fünf W-Fragen

Wählen Sie die europaweite Notrufnummer 112 und übermitteln Sie folgende Informationen:

Die genaue Ortsangabe ist auf der Autobahn besonders wichtig. Nutzen Sie die blauen Stationszeichen am Fahrbahnrand oder Notrufsäulen zur Orientierung.

Erste Hilfe leisten: Praktische Maßnahmen am Unfallort

Nachdem die Unfallstelle gesichert und der Notruf abgesetzt ist, beginnt die eigentliche Erste Hilfe. Hier zeigt sich, wie wertvoll eine fundierte Ausbildung in Erster Hilfe ist.

Verletzte ansprechen und betreuen

Nähern Sie sich den Unfallopfern und sprechen Sie sie ruhig an. Prüfen Sie, ob die Personen bei Bewusstsein sind und atmen. Bei bewusstlosen Personen mit normaler Atmung bringen Sie diese in die stabile Seitenlage. Ist keine Atmung vorhanden, beginnen Sie unverzüglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Gerade auf der Autobahn ist die psychologische Betreuung der Betroffenen wichtig. Der Schock sitzt oft tief, und ein beruhigendes Gespräch kann viel bewirken. Decken Sie Verletzte mit einer Rettungsdecke zu und bleiben Sie bei ihnen, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Rettungsgasse bilden: So funktioniert es richtig

Die Rettungsgasse muss bereits bei stockendem Verkehr gebildet werden – nicht erst beim Stillstand. Bei zweispurigen Autobahnen fahren Fahrzeuge auf der linken Spur nach links, alle anderen nach rechts. Bei drei oder mehr Spuren gilt: Die Rettungsgasse bildet sich immer zwischen der linken und den übrigen Fahrspuren.

Viele Autofahrer im Raum Hildesheim kennen die Situation auf der A7: Staus entstehen schnell, und eine funktionierende Rettungsgasse kann für Unfallopfer den entscheidenden Zeitvorteil bringen.

Häufige Fehler bei Autobahnunfällen vermeiden

Selbst gut gemeintes Handeln kann bei einem Unfall auf der Autobahn fatale Folgen haben, wenn grundlegende Regeln missachtet werden.

Zu geringer Abstand beim Warndreieck: 50 Meter, wie in der Stadt üblich, reichen auf der Autobahn bei Weitem nicht aus. Nachfolgende Fahrzeuge haben keine Chance, rechtzeitig zu bremsen.

Fehlende Warnweste: Ohne reflektierende Kleidung sind Sie für herannahende Fahrzeuge nahezu unsichtbar – besonders bei Dämmerung oder Dunkelheit.

Überstürzte Rettungsversuche: Das Herausziehen von Personen aus Fahrzeugen sollte nur erfolgen, wenn unmittelbare Gefahr besteht, etwa bei Feuer. Ansonsten warten Sie auf den Rettungsdienst, um Wirbelsäulenverletzungen nicht zu verschlimmern.

Keine Absicherung vor Hilfeleistung: Der natürliche Impuls, sofort zu den Verletzten zu eilen, ist verständlich. Doch ohne vorherige Absicherung riskieren Sie Ihr eigenes Leben und provozieren möglicherweise weitere Unfälle.

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