„Den Helm darf man doch nicht abnehmen, sonst ist er querschnittsgelähmt." Diesen Satz höre ich in fast jedem Kurs, in dem Motorräder zur Sprache kommen. Er ist gut gemeint und in seiner Pauschalität falsch.

Die Regel

Ein bewusstloser Verunglückter mit Helm muss den Helm abgenommen bekommen. Der Grund ist einfach: Mit Helm kann man weder die Atmung zuverlässig prüfen noch die Atemwege freimachen noch beatmen. Und wer bewusstlos ist und erbricht, erstickt im Helm.

Die Abwägung in einem Satz

Das Risiko, eine Wirbelsäulenverletzung zu verschlimmern, ist real – aber deutlich kleiner als das Risiko, an blockierten Atemwegen zu sterben. Deshalb hat die Atmung Vorrang.

Wann der Helm draufbleiben darf

Ist der Verunglückte ansprechbar, atmet normal und hat keine Atemnot, kann der Helm bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes aufbleiben. Dann gilt: hinlegen lassen, beruhigen, Kopf nicht bewegen, warten.

So geht es zu zweit

1
Helfer A kniet hinter dem Kopf und hält Helm und Kopf mit beiden Händen in Achse – ohne zu ziehen.
2
Helfer B öffnet Kinnriemen und Visier und stützt dann Nacken und Unterkiefer von der Seite.
3
Helfer A zieht den Helm langsam ab, spreizt ihn dabei leicht an den Seiten und kippt ihn über die Nase.
4
Helfer B hält den Kopf durchgehend, auch nachdem der Helm ab ist, bis der Kopf sicher abgelegt ist.
5
Danach Atmung prüfen und je nach Befund stabile Seitenlage oder Wiederbelebung.

Und wenn man allein ist?

Dann nimmt man den Helm trotzdem ab. Es geht langsamer und weniger sauber, aber die Alternative – warten, während jemand nicht atmet – gibt es nicht. Kinnriemen öffnen, Brille entfernen, den Helm mit beiden Händen seitlich fassen, leicht spreizen und in Achse abziehen, dabei den Kopf so gut es geht führen.

Nicht am Helm reißen

Kein Ruck, keine Drehbewegung. Und das Visier vorher öffnen – daran verhakt sich der Helm sonst an der Nase.

Warum dieser Handgriff geübt gehört

Das Helmabnehmen ist einer der wenigen Handgriffe, bei denen Zuschauen und Selbermachen weit auseinanderliegen. Wer es einmal an einer Puppe gemacht hat, weiß, wie viel Widerstand ein Helm bietet und wie man ihn führt. In unseren Kursen an der VHS Hildesheim üben wir das regelmäßig – gerade weil so viele mit der festen Überzeugung hereinkommen, den Helm auf keinen Fall anfassen zu dürfen.