Ein älterer Mensch stürzt, und der erste Impuls aller Umstehenden ist, ihn schnell wieder auf die Beine zu stellen. Verständlich – es ist auch eine Frage der Würde, nicht auf dem Boden liegen zu bleiben. Trotzdem gehört davor eine kurze Prüfung.

Erst prüfen, dann helfen

1
Ansprechen. Reagiert die Person normal? Weiß sie, was passiert ist?
2
Fragen, ob und wo es wehtut – vor allem Hüfte, Becken, Rücken und Kopf.
3
Hinsehen. Steht ein Bein verdreht oder wirkt kürzer als das andere? Das spricht für einen Bruch im Hüftbereich.
4
Bewegen lassen, nicht bewegen. Wer keine Schmerzen hat, darf sich selbst aufsetzen – langsam und mit Unterstützung.
5
Bei Schmerzen, Fehlstellung oder Unsicherheit: liegen lassen, zudecken und 112 rufen.
Nicht hochziehen

Am Arm hochziehen kann bei brüchigen Knochen zusätzlichen Schaden anrichten – Schulter und Oberarm sind besonders gefährdet. Wenn Hilfe beim Aufstehen nötig ist, wird gestützt, nicht gezogen, und die Person macht das Tempo.

Warum Stürze im Alter anders sind

Knochendichte, Muskelkraft und Reaktionsvermögen nehmen ab, Medikamente können Schwindel verursachen, und viele ältere Menschen haben nach einem Sturz zusätzlich Angst – vor dem nächsten Sturz und davor, zur Last zu fallen. Deshalb wird ein Sturz oft verschwiegen. Wer bei einem Angehörigen unerklärliche blaue Flecken sieht, sollte freundlich nachfragen.

Die Ursache ist wichtiger als die Beule

Ein Sturz ist oft nur das sichtbare Ende. Dahinter können Kreislaufprobleme, ein Blutdruckabfall beim Aufstehen, Herzrhythmusstörungen, eine Unterzuckerung, ein Infekt oder Nebenwirkungen von Medikamenten stecken. Wenn jemand ohne erkennbaren Grund gestürzt ist – nicht gestolpert, sondern einfach umgefallen –, gehört das ärztlich abgeklärt, auch wenn nichts gebrochen ist.

Eine Situation aus meiner Nachbarschaft

Ein Nachbar, gut achtzig, kam an einem warmen Tag mit zwei Einkaufstüten nach Hause – in Unterhemd, Hemd und Jacke. Ältere Menschen können die Temperatur oft schlechter einordnen und ziehen sich zu warm an. Ein Glas kaltes Wasser, die Kleidung geöffnet, kurz hingesetzt, und es ging wieder. Genau solche Situationen enden sonst mit einem Kreislaufkollaps und einem Sturz.

Vorbeugen wirkt besser als jede Erste Hilfe