Wenn die Kälte zur Gefahr wird
Wenn die Temperaturen in Hildesheim und Umgebung im Winter unter den Gefrierpunkt fallen, steigt das Risiko für kältebedingte Notfälle deutlich an. Unterkühlung und Erfrierung sind ernst zu nehmende Gesundheitsgefahren, die jeden treffen können – vom Wanderer im Hildesheimer Wald bis zum älteren Menschen, der auf dem Heimweg stürzt und nicht mehr aufstehen kann. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie diese Notfälle erkennen und wirksame Erste Hilfe bei Unterkühlung leisten können.
Was passiert bei Unterkühlung im Körper?
Eine Unterkühlung, medizinisch Hypothermie genannt, tritt ein, wenn die Körperkerntemperatur unter 35 Grad Celsius sinkt. Der Körper verliert dabei mehr Wärme, als er produzieren kann. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kleinkinder, Personen unter Alkoholeinfluss sowie Menschen mit Durchblutungsstörungen oder chronischen Erkrankungen.
Der menschliche Körper reagiert auf Kälte zunächst mit Schutzmechanismen: Die Blutgefäße in der Haut verengen sich, um die Wärme im Körperinneren zu halten. Gleichzeitig beginnen wir zu zittern, was zusätzliche Wärme erzeugt. Halten diese Maßnahmen die Temperatur nicht aufrecht, wird die Situation kritisch.
Die drei Stadien der Unterkühlung erkennen
Leichte Unterkühlung (35-32 °C): Der Betroffene zittert stark, die Haut ist blass und kalt. Die Person ist bei Bewusstsein, möglicherweise jedoch verwirrt oder apathisch. Die Atmung und der Puls sind noch normal.
Mittelschwere Unterkühlung (32-28 °C): Das Zittern lässt nach oder hört ganz auf – ein Warnsignal, dass der Körper seine Reserven aufbraucht. Die Muskulatur wird steif, das Bewusstsein ist stark getrübt. Puls und Atmung verlangsamen sich.
Schwere Unterkühlung (unter 28 °C): Der Betroffene ist bewusstlos, die Atmung kaum noch wahrnehmbar. Lebensgefahr besteht durch Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand.
Erfrierungen – lokale Kälteschäden richtig einschätzen
Während eine Unterkühlung den gesamten Körper betrifft, sind Erfrierungen örtlich begrenzte Gewebeschäden durch Kälteeinwirkung. Besonders anfällig sind Körperstellen mit geringer Durchblutung: Finger, Zehen, Ohren, Nase und Wangen.
Erfrierungen werden ähnlich wie Verbrennungen in Grade eingeteilt. Bei einer Erfrierung ersten Grades ist die Haut blass und gefühllos, erholt sich aber nach dem Aufwärmen vollständig. Der zweite Grad zeigt Blasenbildung, während beim dritten Grad das Gewebe abstirbt und sich schwarz verfärbt.
Die tückische Gefahr bei Erfrierungen: Die betroffenen Stellen sind oft taub, sodass Betroffene die Schädigung erst spät bemerken. Wer beispielsweise bei Minusgraden längere Zeit in Hildesheim unterwegs ist, sollte regelmäßig Hände und Füße auf Gefühllosigkeit prüfen.
Erste Hilfe bei Unterkühlung – Schritt für Schritt handeln
Wenn Sie einen unterkühlten Menschen finden, ist schnelles, aber behutsames Handeln entscheidend. Die folgenden Maßnahmen können Leben retten:
1. Notruf absetzen: Wählen Sie sofort die 112. Beschreiben Sie den Zustand der Person und den genauen Standort in Hildesheim oder Umgebung.
2. Aus der Kälte bringen: Bewegen Sie den Betroffenen vorsichtig an einen geschützten, warmen Ort. Vermeiden Sie dabei hektische Bewegungen, da diese bei schwerer Unterkühlung gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen können.
3. Nasse Kleidung entfernen: Feuchte Kleidung entzieht dem Körper weiter Wärme. Entfernen Sie diese behutsam und decken Sie den Betroffenen mit trockenen Decken, Jacken oder einer Rettungsdecke zu.
4. Langsam aufwärmen: Konzentrieren Sie sich auf den Körperstamm. Wickeln Sie den Betroffenen ein, legen Sie ihm warme Hände auf Brust und Bauch. Wärmflaschen oder Heizkissen gehören nicht direkt auf die Haut.
5. Bei Bewusstsein warme Getränke geben: Ist die Person wach und kann schlucken, helfen warmer Tee oder Wasser. Vermeiden Sie Alkohol und Koffein, da beide die Situation verschlechtern.
6. Bewusstlose in stabile Seitenlage bringen: Kontrollieren Sie regelmäßig Atmung und Kreislauf. Bei Atemstillstand beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung.
Häufige Fehler bei der Ersten Hilfe im Winter
In Notsituationen passieren unter Stress leider immer wieder vermeidbare Fehler. Folgende Maßnahmen sind bei Unterkühlung und Erfrierung kontraproduktiv:
Erfrorene Stellen reiben oder massieren: Dies schädigt das empfindliche Gewebe zusätzlich und kann zu dauerhaften Schäden führen. Die früher verbreitete Empfehlung, erfrorene Haut mit Schnee einzureiben, ist gefährlich und längst überholt.
Zu schnelles Aufwärmen: Ein plötzlicher Temperaturanstieg kann kaltes Blut aus den Extremitäten zurück zum Herzen leiten und dort Herzrhythmusstörungen verursachen. Erwärmen Sie Betroffene daher immer langsam von innen nach außen.
Alkohol verabreichen: Das vermeintliche Wärmegefühl trügt. Alkohol weitet die Gefäße, wodurch der Körper noch schneller auskühlt. Zudem wird die Wahrnehmung für die eigene Gefährdung herabgesetzt.
Betroffene allein lassen: Der Zustand kann sich rasch verschlechtern. Bleiben Sie bei der Person, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Vorbeugen ist der beste Schutz
Der wichtigste Schutz gegen Unterkühlung und Erfrierung bleibt die Prävention. Tragen Sie im Winter mehrere Kleidungsschichten nach dem Zwiebelprinzip. Achten Sie besonders auf warme Kopfbedeckung, da über den Kopf viel Wärme verloren geht. Halten Sie Hände und Füße trocken und wechseln Sie nasse Handschuhe oder Socken sofort.
Wer in Hildesheim regelmäßig bei Kälte unterwegs ist – sei es beruflich oder in der Freizeit – sollte die Anzeichen einer beginnenden Unterkühlung bei sich selbst und anderen kennen. Dieses Wissen kann im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden.
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