Schnelles Handeln kann langfristige Schäden verhindern

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit genügt: Der Fuß knickt beim Joggen im Hildesheimer Wald um, das Handgelenk verdreht sich beim Sturz vom Fahrrad, oder das Knie gibt beim Sport nach. Verstauchungen und Verrenkungen gehören zu den häufigsten Verletzungen im Alltag und beim Sport. Wer in solchen Situationen richtig reagiert, kann Schmerzen lindern, Schwellungen reduzieren und ernsthafte Folgeschäden verhindern. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie bei Gelenksverletzungen kompetent Erste Hilfe leisten und wann ein Arztbesuch unbedingt notwendig ist.

Der Unterschied zwischen Verstauchung und Verrenkung

Obwohl beide Begriffe oft synonym verwendet werden, handelt es sich um unterschiedliche Verletzungsarten, die verschiedene Erste-Hilfe-Maßnahmen erfordern. Das Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend für eine angemessene Erstversorgung.

Was passiert bei einer Verstauchung?

Eine Verstauchung, medizinisch als Distorsion bezeichnet, entsteht durch eine übermäßige Dehnung oder teilweise Zerreißung der Bänder, die ein Gelenk stabilisieren. Das Gelenk wird dabei kurzzeitig über seinen normalen Bewegungsumfang hinaus bewegt, kehrt jedoch sofort in seine ursprüngliche Position zurück. Besonders häufig betroffen sind das Sprunggelenk, das Knie und das Handgelenk.

Typische Symptome einer Verstauchung sind Schmerzen bei Bewegung und Belastung, eine zunehmende Schwellung im Bereich des betroffenen Gelenks sowie die Bildung eines Blutergusses. Die Beweglichkeit ist eingeschränkt, das Gelenk bleibt jedoch in seiner korrekten Stellung.

Die Verrenkung – eine ernstere Verletzung

Bei einer Verrenkung, auch Luxation genannt, springt der Gelenkkopf vollständig aus der Gelenkpfanne heraus. Diese Verletzung ist deutlich schwerwiegender und erfordert immer eine ärztliche Behandlung. Eine Verrenkung erkennen Sie an einer sichtbaren Fehlstellung des Gelenks, extremen Schmerzen, einer federnd fixierten Position des Gelenks sowie der Unfähigkeit, das Gelenk normal zu bewegen.

Wichtig zu wissen: Versuchen Sie niemals, ein verrenktes Gelenk selbst einzurenken. Dies kann zu zusätzlichen Verletzungen an Nerven, Blutgefäßen oder Knochen führen und gehört ausschließlich in die Hände medizinischer Fachkräfte.

Die PECH-Regel bei Verstauchungen anwenden

Für die Erste Hilfe bei Verstauchungen hat sich die PECH-Regel als effektive Sofortmaßnahme etabliert. Diese einfache Merkhilfe können Sie sich leicht einprägen und im Ernstfall schnell umsetzen.

P wie Pause: Unterbrechen Sie sofort jede Aktivität und entlasten Sie das verletzte Gelenk. Weitere Belastung kann die Verletzung verschlimmern und zu zusätzlichen Schäden führen.

E wie Eis: Kühlen Sie das betroffene Gelenk, um Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren. Wickeln Sie Eis oder Kühlpacks immer in ein Tuch ein, um Erfrierungen der Haut zu vermeiden. Kühlen Sie in Intervallen von etwa 15 bis 20 Minuten mit Pausen dazwischen.

C wie Compression: Ein elastischer Verband übt sanften Druck auf das Gelenk aus und begrenzt die Schwellung. Achten Sie darauf, den Verband nicht zu fest anzulegen, um die Durchblutung nicht zu beeinträchtigen.

H wie Hochlagern: Lagern Sie das verletzte Gelenk erhöht, idealerweise über Herzhöhe. Dies fördert den Rückfluss von Blut und Gewebeflüssigkeit und reduziert dadurch die Schwellung.

Erste Hilfe bei Verrenkungen richtig durchführen

Bei einer Verrenkung gelten andere Prioritäten als bei einer Verstauchung. Die betroffene Person benötigt professionelle medizinische Hilfe, und Ihre Aufgabe als Ersthelfer ist es, bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes unterstützend zu handeln.

Rufen Sie zunächst den Notruf 112 an oder organisieren Sie einen schnellstmöglichen Transport ins Krankenhaus. Bewegen Sie das verrenkte Gelenk nicht und versuchen Sie keinesfalls, es wieder einzurenken. Stattdessen sollten Sie das Gelenk in der vorgefundenen Position vorsichtig stabilisieren und polstern.

Beruhigen Sie die verletzte Person, denn Verrenkungen sind äußerst schmerzhaft und können Angst auslösen. Beobachten Sie die Durchblutung, Sensibilität und Beweglichkeit der Körperteile unterhalb der Verletzung und melden Sie Veränderungen dem Rettungspersonal.

Häufige Fehler bei der Erstversorgung vermeiden

In unseren Erste-Hilfe-Kursen in Hildesheim erleben wir regelmäßig, dass bestimmte Fehler bei der Versorgung von Gelenksverletzungen immer wieder vorkommen. Diese zu kennen hilft Ihnen, sie zu vermeiden.

Einer der häufigsten Fehler ist das direkte Auflegen von Eis auf die Haut. Dies kann zu Kälteschäden führen und verschlimmert die Situation. Verwenden Sie immer ein Tuch als Schutzschicht zwischen Kühlmittel und Haut.

Viele Menschen unterschätzen zudem die Schwere einer Verletzung und belasten das Gelenk zu früh wieder. Auch wenn die Schmerzen nachlassen, benötigt das Gewebe Zeit zur Heilung. Eine zu frühe Belastung kann zu chronischer Instabilität führen.

Ein weiterer Fehler ist das zu feste Anlegen von Verbänden. Wenn Finger oder Zehen blau anlaufen, kribbeln oder taub werden, ist der Verband zu eng und muss sofort gelockert werden.

Schließlich verzichten manche Betroffene auf einen Arztbesuch, obwohl dieser notwendig wäre. Bei starken Schwellungen, ausgeprägten Blutergüssen, Gefühlsstörungen oder wenn das Gelenk nach 48 Stunden nicht besser wird, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Wann ist der Gang zum Arzt unverzichtbar?

Nicht jede Verstauchung erfordert einen Arztbesuch, aber in bestimmten Situationen ist medizinische Abklärung unerlässlich. Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Sie eine Fehlstellung des Gelenks bemerken, das Gelenk nicht mehr bewegen können, starke Schwellungen auftreten, die Schmerzen sehr intensiv sind oder nach zwei bis drei Tagen keine Besserung eintritt.

Bei Kindern sollten Gelenksverletzungen grundsätzlich ärztlich untersucht werden, da ihre Knochen und Wachstumsfugen empfindlicher sind als bei Erwachsenen.

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