Wenn Eltern in den Kurs kommen, ist das die Situation, vor der sie sich am meisten fürchten – und gleichzeitig die, bei der am meisten Halbwissen im Umlauf ist. Denn die Wiederbelebung beim Säugling folgt nicht denselben Regeln wie beim Erwachsenen. Wer den Ablauf vom Erwachsenen einfach überträgt, macht den entscheidenden Schritt nicht.
Der Unterschied in einem Satz
Beim Erwachsenen ist meist das Herz die Ursache. Beim Kind ist es fast immer die Atmung: ein verschluckter Gegenstand, ein Infekt, eine Schwellung. Das Herz hört auf, weil vorher der Sauerstoff ausging. Deshalb beginnt die Wiederbelebung bei Kindern mit fünf Beatmungen, bevor die erste Herzdruckmassage kommt.
Erwachsener: sofort drücken. Kind und Säugling: erst fünfmal beatmen, dann 30 Kompressionen und 2 Beatmungen im Wechsel.
Beatmen beim Säugling
Der Kopf bleibt in Neutralposition – nicht überstrecken wie beim Erwachsenen. Der Nacken eines Babys ist so weich, dass die Atemwege beim Überstrecken zugehen statt auf. Mund und Nase des Säuglings werden gemeinsam vom Mund des Helfers umschlossen. Dann wird vorsichtig eingeblasen, gerade so viel, dass sich der Brustkorb sichtbar hebt. Das ist wenig Luft – etwa so viel, wie man in den Backen hat.
Drücken beim Säugling
- Zwei Fingerkuppen auf die Mitte des Brustkorbs
- Etwa 4 Zentimeter tief eindrücken, also ungefähr ein Drittel der Brustkorbhöhe
- 100 bis 120 Mal pro Minute
- Im Wechsel 30 Kompressionen zu 2 Beatmungen
Bei größeren Kindern ist es dieselbe Systematik, nur mit einem oder beiden Handballen und etwa 5 Zentimetern Tiefe.
Bei Kindern gilt eine Ausnahme: Erst eine Minute wiederbeleben, dann den Notruf 112 absetzen – und danach sofort weitermachen. Sind zwei Menschen da, ruft einer an, während der andere beginnt.
Der Rhythmus, wenn die Hände zittern
Den Takt zu halten ist unter Stress schwerer, als es im Kurs aussieht. Was sich bewährt hat: dreimal bis zehn zählen und dazwischen jeweils ein „und" setzen – eins und zwei und drei und…. Damit kommt man dem geforderten Tempo sehr nah, ohne auf eine Uhr zu schauen.
Die Frage, die dann kommt
„Und wenn ich etwas kaputt mache?" Bei einem Baby wiegt diese Sorge noch schwerer als sonst. Die ehrliche Antwort: Ein Kind, dessen Kreislauf steht, ist in einer Lage, die sich durch Nichtstun garantiert nicht bessert. Verletzungen durch Wiederbelebung sind behandelbar, ein Sauerstoffmangel im Gehirn nach wenigen Minuten nicht mehr. Falsch ist hier wirklich nur, gar nichts zu tun.
Warum dieser Handgriff geübt gehört
Fünf Beatmungen, Neutralposition, zwei Finger – das sind drei Abweichungen vom Erwachsenen-Ablauf, und alle drei fallen in dem Moment weg, in dem Panik einsetzt, wenn man sie nur gelesen hat. In unseren Kursen an der VHS Hildesheim üben wir das an einer Säuglingspuppe, bis die Bewegung sitzt. Für Eltern, Großeltern und alle, die regelmäßig auf kleine Kinder aufpassen, ist das die sinnvollste Stunde, die sie investieren können.