Eine aufgeschürfte Hand, ein Schnitt beim Kochen, ein Kratzer im Garten: Die allermeisten kleinen Wunden heilen ohne jedes Zutun. Man muss nur wissen, woran man die wenigen erkennt, bei denen das nicht so ist.
Die fünf klassischen Entzündungszeichen
Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerz und eingeschränkte Funktion – daran erkennt man eine Entzündung seit der Antike. Für den Alltag übersetzt heißt das:
- Die Wunde wird nach zwei, drei Tagen röter statt blasser
- Der Rand ist geschwollen und warm
- Der Schmerz nimmt zu statt ab und wird pochend
- Es bildet sich Eiter oder die Wunde riecht unangenehm
- Das betroffene Gelenk oder der Finger lässt sich schlechter bewegen
Ein roter Strich, der von der Wunde in Richtung Körpermitte zieht, dazu Fieber, Schüttelfrost oder geschwollene Lymphknoten: Das gehört noch am selben Tag ärztlich behandelt. Umgangssprachlich heißt das „Blutvergiftung"; medizinisch ist es meist eine Entzündung der Lymphbahnen, die man ernst nehmen muss.
Wunden mit erhöhtem Risiko
- Bissverletzungen – durch Tiere und besonders durch Menschen. Sie gehören grundsätzlich zum Arzt.
- Stichwunden – klein an der Oberfläche, tief im Gewebe, schlecht zu reinigen.
- Verschmutzte Wunden mit Erde, Rost, Splittern oder Straßenschmutz.
- Wunden bei Diabetes oder bei geschwächtem Immunsystem – hier ist die Schwelle deutlich niedriger.
- Wunden, die nach einer Woche nicht sichtbar kleiner geworden sind.
Was die Heilung stört
Hier hält sich hartnäckig altes Wissen. Puder, Mehl, Öl oder Salben auf einer frischen Wunde behindern die Beurteilung und können Keime einschließen. Häufiges Desinfizieren über Tage reizt das neue Gewebe eher, als dass es hilft. Und ein Pflaster, das rund um die Uhr klebt, weicht den Wundrand auf – kleine, saubere Wunden dürfen zwischendurch an die Luft.
Zu Verbrennungen höre ich im Kurs regelmäßig den Rat, Brandblasen mit einer heißen Nadel aufzustechen. Das gehört in dieselbe Kategorie wie Mehl auf die Wunde: Es öffnet eine geschlossene, sterile Barriere und schafft genau die Eintrittspforte für Keime, um die es in diesem Artikel geht.
Wann der Tetanusschutz zählt
Bei jeder tieferen oder verschmutzten Wunde stellt sich die Frage nach der Tetanusimpfung. Liegt die letzte Auffrischung mehr als zehn Jahre zurück – bei schmutzigen Wunden mehr als fünf –, gehört das geprüft. Der Impfausweis beantwortet diese Frage in zehn Sekunden.